Ende April 2007 trafen sich Apotheker und PTA aus ganz Europa und Japan auf dem 2. Internationalen Aromatherapie Fachkongress in Bad Brückenau, wo viele interessante Aspekte der Aromatherapie vor allem für den Apothekenalltag diskutiert wurden. Veranstalter war die Akademie der Düfte e.V. (www.duft-akademie.de).
Düfte können mehr. Wie entscheidend und unmittelbar Düfte auf entwicklungsgeschichtlich alte Regionen in unserem Gehirn – das Limbische System – wirken und wie nachhaltig sie den wohltuenden Effekt von Massagen unterstützen zeigte die berühmte englische Aromatherapeutin Penny Price in ihrem Vortrag „Aromatherapy for mother & child”.
Mit Dr. Christian Rätsch ging die Vortragsreihe gedanklich in den Oman, wo der beste Weihrauch beheimatet ist, mit dessen betörendem Duft noch heute geheimnisvolle sinnliche Riten vollzogen werden. Die Co-Referentin Tamara Schäfer, erfahrene PTA und Aromatherapeutin, konnte anhand des intimen Themas „Sinnlichkeit und Erotik mit ätherischen Ölen” zeigen, wie mit viel Feingefühl auch bei einem Tabuthema Kundinnen, die zunächst mit ganz anderen Beschwerden in die Apotheke kamen, mit Aromtherapierezepturen erreicht werden können.
Immer noch benötigt die Aromatherapie als ernstzunehmende Komplementärheilkunde Methoden, um sie den Menschen zu vermitteln. Via Handmassage mit wohlriechenden Pflanzenessenzen können Apotheken eine gut durchführbare, dabei nicht alltägliche Aktion organisieren, um von sich reden zu machen. Dies zeigte in Theorie (mit entsprechenden Akupressurpunkten) und Praxis eindrucksvoll Botanikerin und Aromaexpertin Frau Dr. Christina Paulson, Aachen.
Wie Apotheker nun diese und ähnliche Aktionen marketingtechnisch aufbauen und in ihrem Berufalltag sinnvoll anwenden können, beschrieb Reinhold Hartmann (www.ccsf.de), der seine langjährigen Marketing-Erfahrungen in der Industrie auf ein spezielles Duftmarketing in der Apotheke übersetzte.
Sehr spannend wurde es am Samstag, als Dr. J. Stephan Jellinek, renommierter Wissenschaftler und Buchautor der ersten Stunde zu Themen wie „Psychologie und Parfümerie”, die Ergebnisse einer Studie bekannt gab, die Düfte im Klassenzimmer und deren Auswirkung auf Stimmung und Konzentration der Schüler untersucht. „Dufte Schule”, so der Name des Pilotprojektes, wurde an neun verschiedenen Schulen in der ganzen Bundesrepublik mit ca. 250 Schülern durchgeführt. Es ergab, dass sich 39% der Schüler im Klassenraum besser konzentrieren zu können, 29 % meldeten auch bei den Hausaufgaben mit Duftstein und natürlichem Duft eine Verbesserung. Mit der Konzentrationsfähigkeit ging auch die Auswirkung auf die Stimmung in der Klasse einher: 44 % der Befragten fanden die Stimmung in der Klasse besser, 33 % meldeten sogar eine Abnahme der Aggressivität der Mitschüler. 30% der Eltern, die nach den Gefühlen des Schülers beim Schulgang befragt wurden, stimmten der Aussage „Mein Kind geht lieber als zuvor in die Schule” zu. Dieswar dies vor allem mit einer ausgewogenen Duftkomposition mit dem gleichen Namen „Dufte Schule” möglich. Das Pilotprojekt an deutschen Schulen erfuhr bis auf wenige Ausnahmen eine nahezu 100%ige Akzeptanz bei den Beteiligten.
Mit dieser Studie wurde ein interessanter Bogen zum Eingangsvortag von Prof. Dr. Dr. Dietrich Wabner gespannt, der neueste Erkenntnisse über den Riechvorgang im Detail referierte. Anhand der Ergebnisse einer eigenen Studie zu Kreativität und Duft („art and sense”), die er an der Kunstakademie St. Johann in Tirol durchführte, erläuterte Professor Wabner, dass sich die Malweise der Künstlerinnen unter dem Einfluss von „Duft Nr. 4”, einer Duftkomposition, in eine gesteigerte Ausdrucksweise veränderte.
Neue Wege für Apotheken
Über 250 Apotheker und PTA trafen sich am Wochenende im Kongresshaus in Heidelberg zum Internationalen Aromatherapie Fachkongress. Eingeladen hatte das Institut für angewandte Aromatherapie e.V. in Neuhofen. Gesponsert wurde der Kongress von der Firma TAOASIS. Es schien so, als hätte sich die gesamte Kongresshalle für zwei Tage in eine einzige “Oase der Düfte” verwandelt. So gut fügten sich die Düfte und das warme Gelb und Gold der Säulen, Sockel, Skulpturen und Statuetten der sogenannten “Oase der Düfte”, einem sonst nur auf Messen zu sehenden Aroma-Erlebnispfad von TAOASIS, in das 19. Jahrhundertinterieur der Kongresshalle am Rande der Heidelberger Altstadt ein.
Frischer Wind in Form von neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft von den Düften und feiner Duft aus den ästhetischen Nebler-Brunnen von TAOASIS konnten die Apotheker, die zum Teil auch aus Österreich und der Schweiz angereist waren, tief inhalieren.
Dr. Kirk Smith, University of Ulster, Nordirland, einst in den Forschungslabors von Unilever tätig, stellte Studien von 2004 zur psychologischen Wirkung von Düften in seinem Vortrag “Duft und Psyche” vor. Obwohl auf Englisch gehalten, fasste Smith seine Ergebnisse immer wieder zu Schlüssen zusammen, welchen man gut folgen konnte. Er verdeutlichte den Einfluss der Pheromone auf Reaktionsweisen von Männern und Frauen. Er beschrieb Versuche, in denen Menschen unter Einfluss von Düften länger bereit sind Schmerzen auszuhalten. Wissen-schaftlich belegbar ist auch, dass Gerüche (z.B. aus der Vergangenheit) soziale Interaktion hervorrufen. Damit stellen Düfte einen wichtigen Faktor im Klinikalltag dar.
Der praktizierende Apotheker Dr. Notker Böhm, Merkur-Apotheke in Leipzig, gab in seinem Vortrag über “Erfolgreiche Präsentation und Marketing” viele nützliche Anregungen wie ein “Kompetenz-Center Aromatherapie” in der Apotheke zu instal-lieren und die Kunden an das Thema heranzuführen seinen. Dr. Böhm war die Begeisterung vom Thema anzumerken. Genau dies sei es auch, was die Apotheker den Kunden vermitteln müssten, so Böhm.
Die Wissenschaftler Prof. Dr. Gerhard Buchbauer, Universität Zürich, und Prof. Dr. Dr. Dipl.-Chem. Dietrich Wabner, Professor für Chemie an der TU München, beide erfrischende Urgesteine ihres Faches und als Naturwissenschaftler natürlich an beweisbarer Materie und Empirie orientiert, konnten die Aussage Böhms ätherische Öle seien die “Seele der Pflanzen” nicht gelten lassen und zeigten im Anschluss wie ätherische Öle chemisch zu betrachten seien, welche Risiken bei falscher Habung (Aufbewahrung, Halbwertszeiten, chemische Veränderungen resp. Toxizität usw.) zur Disposition stünden.
Gleichzeitig sprach sich Professor Wabner (Sein Thema: “Sind ätherische Öle giftig?”) ausdrücklich für die großen Chancen bei der Anwendung der natürlichen Öle mit entsprechend fundiertem Wissen im Vergleich zur Verwendung von chemisch hergestellten Substanzen in den herkömmlichen Arzneimitteln aus.
Im Selbstversuch verwende er seit 20 Jahren täglich 2 Tropfen Rosenöl. Er, Wabner, ein großer stattlicher Mann, müsste längst unter der Erde sein, folge man jüngsten Forschungen, Rosenöl sei trotz seines minimalen Methyleugenolgehaltes als krebserregend einzustufen. Der Gesetzgeber hatte am 01.04.2003 Grenzwerte für Rosenöl und eine Vielzahl weiterer Öle festgelegt und eine künftige Kennzeichnung verlangt. Natürlich komme es stets auf die Dosierung und sachgemäße Handhabung – nicht nur – des Rosenöls an. Die Bürokratie drohe Rosenöl, als Herzstück der Aromatherapie, per Gesetz ganz aus dem Verkehr zu ziehen, so Wabner.
Mit Dr. John Zhou's Vortrag über “Aromatherapie und TCM” wurde die westliche Wissenschaft zur Aromatherapie mit der Sichtweise der Traditionellen Chinesischen Medizin konfrontiert. Dr. Zhou arbeitete sehr schön heraus, dass beide nicht als Gegensätze, sondern als komplementär zu betrachten sind. Es wurden Wege aufgezeigt, wie man westliches und östliches Wissen über Aromatherapie in der Apotheke praktisch nutzen kann. In 18 Workshops, die zwischen den Fachvorträgen gehalten wurden, wurde dies beispielhaft durchexerziert.
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